Fachtag zu Trauer & Trauma am 24. August 2013
Edith-Stein-Haus Kaiserslautern
Samstag, 24. August 2013, 10 bis 17 Uhr
Dieser öffentliche Fachtag findet anlässlich des 25-jährigen Jahrestages der Flugtagkatastrophe von Ramstein statt. In verschiedenen Vorträgen werden folgende Themen behandelt:
- Erfahrungen aus der Nachsorgearbeit mit den Betroffenen
Referenten: Dr. Hartmut Jatzko, Sybille Jatzko und Betroffene - Meine Trauer wird dich finden - Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit
Referent: Dipl. Psych. Roland Kachler, Psychologischer Psychotherapeut und Autor zahlreicher Bücher über Trauer - Trauma und Traumabewältigung
Referent: Dr. Alexander Jatzko, Leitender Arzt der Klinik für Psychosomatik im Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern - Sinnverlust und Sinnfindung nach einer Katastrophe
Referent: Pfr. Joachim Müller-Lange, ehem. Landespfarrer für Notfallseelsorge der Evang. Kirche im Rheinland
Moderation: Dipl. Psych. Heiner Seidlitz, Leiter der TelefonSeelsorge Pfalz
Veranstalter: Nachsorgegruppe der Opfer und Hinterbliebenen der Flugtagkatastrophe, TelefonSeelsorge Pfalz, Westpfalz-Klinikum - Klinik für Psychosomatik.
Die Teilnahme ist frei. Spenden für die Durchführung der Veranstaltung werden erbeten. Ärzte und Psychotherapeuten können Zertifizierungspunkte erhalten.
Presse
Telefonseelsorge: Immer mehr Anrufer leiden unter depressiven Störungen
Über der Seele liegt ein grauer Schleier. Innere Leere macht sich breit, Hoffnungslosigkeit raubt jede Kraft. Für vier Millionen Deutsche wird das Leben zur Last. Sie leiden unter einer Depression. Und so stand die Pressekonferenz der rheinland-pfälzischen Telefonseelsorge-Stellen im Bischöflichen Ordinariat Mainz (am 6. Juli) aus gutem Grund unter dem Motto: „Schlecht drauf oder depressiv?“
„Depressionen entwickeln sich zur Volkskrankheit“, sagte Heiner Seidlitz, Leiter der Telefonseelsorge Pfalz in Kaiserslautern. „Das stellen auch unsere Mitarbeiter fest. In einem Drittel der Gespräche, die sie führen, geht es mittlerweile um psychische Störungen.“
Viele der Betroffenen fühlen sich leer, freudlos, kraftlos. Sie schildern Schlafprobleme und Antriebslosigkeit. Alles wird ihnen zuviel. Symptome, die anscheinend nicht mit den Ansprüchen der Leistungsgesellschaft zu vereinbaren sind. „Deshalb ist Depression leider oft noch ein Tabuthema. Die Menschen schämen sich, weil sie nicht mehr wie gewohnt ‚funktionieren’. Darüber verlieren sie ihr Selbstwertgefühl, kapseln sich von der Umwelt ab“, weiß der Diplom-Psychologe.
„Viele fühlen sich von der Familie oder Freunden unverstanden. Andere leben allein und haben niemanden zum Reden “, berichtet Ellen Simon von der Koblenzer Telefonseelsorge. „Aber auch für die Angehörigen ist es nicht einfach. Sie reagieren oft hilflos, wissen nicht, wie sie mit einem depressiven Menschen umgehen sollen.“
Für sie alle ist die Telefonseelsorge eine wichtige Anlaufstelle. Hier können sie anonym, vertraulich und obendrein kostenlos über ihre Sorgen und Nöte sprechen. In den 1950ern gegründet um Suizide zu verhindern, hat die Institution langjährige Erfahrung in der Unterstützung psychisch kranker Menschen. Um den Problemen der Anrufer gerecht zu werden, absolvieren die ehrenamtlichen Mitarbeiter eine umfassende Ausbildung.
„Wir können zwar nicht heilen und auch keine Diagnosen stellen. Aber wir sind rund um die Uhr und ohne Voranmeldung erreichbar“, sagt Martina Patenge von der Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden. „Die Menschen können sich aussprechen und werden mit ihren Problemen, so unterschiedlich sie auch sind, ohne Vorbehalte angenommen. Unsere Mitarbeiter fühlen sich in ihre Situation ein, trösten, bestärken und haben gelernt, auch zwischen den Zeilen zu hören.“
Damit leisten sie einen hilfreichen Beitrag, wenn ein Gespräch mit Angehörigen nicht möglich ist, Ärzte zu wenig Zeit haben oder ein Therapieplatz noch monatelang auf sich warten lässt.
„Allein das Zuhören kann depressiven Menschen schon gut tun. Manche stärkt die Unterstützung sogar so weit, dass sie neue Lösungswege sehen oder in der Lage sind, sich weitere Hilfe zu suchen“, bestätigt Seidlitz und sieht die emotionale Entlastung und Begleitung in schwierigen Situationen als zentrale Aufgabe der Telefonseelsorge.
Damit die Anrufer jederzeit ein offenes Ohr finden, sind die Telefonseelsorge -Stellen rund um die Uhr besetzt. Im Jahr 2010 haben landesweit 474 ehrenamtliche MitarbeiterInnen in 67 000 Dienststunden knapp 149 000 Anrufe entgegen genommen. 80 000 davon waren ernsthafte Beratungs- und Seelsorgegespräche mit einer durchschnittlichen Dauer von 20 bis 30 Minuten. Zahlen, die für sich sprechen und nach Seidlitz „die Telefonseelsorge mehr als auslasten“.
Text: Friederike Jung
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